Nebenjob – Hure

Liebe(r) Extrem Unlimited Leser(in)!

Am Samstag haben wir Dir die Frage gestellt, wie Du zu dem Thema Huren stehst, bzw. zu Frauen die dieses Gewerbe nicht professionell sondern als Nebenjob praktizieren. Was bewegt diese Frauen sich für diese Schiene zu entscheiden? Eines soll gleich klar gestellt werden: Wir wollen auf gar keinen Fall jemanden verurteilen, oder in ihrer Entscheidung kritisieren, denn die Frauen die wir befragt haben, sind zwischen 38 und 50 Jahre alt, und glaube uns wenn wir sagen, dass alle von ihnen absolut taff und selbstbewusst durchs Leben gehen. Wir wollen es aber auch nicht beschönigen. Hier wird keine Pretty Woman Story wiedergegeben. Die Geschichten sind echt, und authentisch, und soll Dich zum denken, diskutieren aber auch zum schmunzeln bringen.

Die Hauptmotivation liegt sicher beim Geld. In einer Stunde zwischen 100,- und 150,- zu verdienen, ist sicher der größte Anreiz. Einige Frauen machen es wirklich aus einer Geldnot, obwohl sie einen fixen Job hat, es aber trotzdem hinten und vorne nicht reicht. Jeder „offizielle“ Nebenjob würde mehr an Steuern fressen, als er im Endeffekt bringt. Und glaube uns, die Frauen machen sich diese Entscheidung nicht leicht. Das ist ein Schritt den man sich gut überlegt, und der Beruf ist ja nicht gerade ungefährlich. Wir wussten viele Dinge nicht, die uns nicht nur überrascht haben, sondern auch den Respekt für dieses Gewerbe stieg bei uns massiv an. Zuerst steht die Frage im Raum, in welcher Form geht man dem horizontalen Gewerbe nach.

Da gibt es verschiedene Möglichkeiten. Entweder in einem Laufhaus, oder in einem Bordell, bei einem Escortservice, oder aber doch selbstständig? Mit welcher Variation kann man sich am ehesten anfreunden? Hier haben wir heraus gefunden, dass es in Berlin und aber auch in Wien Organisationen gibt, die darüber eingehend beraten – auch online. In allen Belangen, egal ob es um Gesundheit, Recht, Finanzielles oder aber auch (und das finden wir wirklich klasse) wie verhält man sich bei einem Kunden, wie geht man mit schwierigen Situationen um, und wie schützt man sich am besten ab. Natürlich bleibt immer ein Restrisiko, aber wir finden es gut, dass es solche Organisationen (siehe Links am Ende des Beitrages) gibt wo man sich ohne Scham hinwenden kann.

Scham – ist oft gefallen dieses Wort in den Gesprächen die wir geführt haben. Es darf ja nur keiner erfahren, schon gar nicht aus dem Kollegen,- oder Familienkreis. Was würden die wohl sagen? Was würden sie über einen denken? Diese Angst war viel präsenter, als das Geschäft an sich. Viele Frauen sagten, sie würden (wenn sie selbstständig arbeiten) sich die Kunden genau ansehen, lassen sich nicht drängen, und haben auch immer im Hinterkopf – die Miete kann ich auch mit meinen „normalen“ Job bezahlen. Eine junge Frau (nennen wir sie mal N.) sagte uns, dass es sie schon immer gereizt hätte als Prostituierte zu arbeiten. Sie war die Einzige, bei der das Geld bzw Geldnot nicht im Vordergrund gestanden ist. Es war nur ein zusätzlicher Anreiz. Sie sagte uns, dass sie sehr lange überlegt hätte in welcher Form sie dieses Gewerbe ausüben will. Der klassische Straßenstrich war für sie von Anfang an keine Option. Also blieb nur ein Laufhaus als Alternative für sie, da sie selber keine Räumlichkeiten hatte in denen sie arbeiten konnte.

Sie fand ein Laufhaus, in dem sie für ihren Raum bezahlte wo sie Kunden empfangen konnte. Als angenehmen Nebeneffekt war für sie auch der Kontakt zu anderen Mädchen und Frauen, mit denen sie sich austauschen konnte. Sie suchte sich ihre Kunden genau aus, und entschied meistens nach Gefühl. Für sie war die Prostitution ein erträgliches Nebengeschäft, und wenn sie mal keine Lust hatte zum arbeiten, dann lies sie es bleiben. Sie hatte einen Beruf, entschied sich aber im zweiten Bildungsweg zu studieren, und als sie das Studium abschloss, arbeitete sie trotzdem hin und wieder als Hure. Sie hatte anfangs auch dieses Schamgefühl, bis sie eines Tages ihrer Mutter die volle Wahrheit erzählte, und ihre Motivation dahinter. Diese war nicht begeistert (was man sich denken kann), aber vertraute auch darauf, dass ihre Tochter weiß was sie tut.

Eine andere Frau (nennen wir sie S.) 44 Jahre, entschied sich aus Rache an ihren Ex, und auch aus Geldnot nach der Scheidung für diese Art sich nebenbei was zu verdienen. Der  „liebe Ehemann“ hat sie nämlich nach Strich und Faden betrogen, hat auch ihr Geld ausgegeben, und als Gegenleistung mit ihr gleich gar nicht mehr gevögelt. Wie dann alles herauskam was der Göttergatte so trieb, war die erste Motivation als Hure zu arbeiten die Rache an ihren Mann. „Ich hab mir geschworen, dass jeder Mann der noch in mein Leben kommt, dafür bezahlen wird wenn er mich flach legen will“. Auch sie hat einen erlernten Beruf den sie ausübt, aber der Nebenjob macht ihr mehr Spaß, denn er vermittelt ihr auch ein Gefühl von Macht. Sie bestimmt wann, wo und mit wem.

Der Nachteil der sich daraus für sie ergibt, ist der, dass sie „nicht mehr erkennen würde wenn sich ein Mann wirklich für sie als Mensch interessiert“. Sie sagte uns, dass ihre harte Schale schnell dicker geworden ist. Nicht durch den „Job“ an sich, sondern durch die ständige Stimme im Hinterkopf „Männer wollen nur ficken, – aber dafür müssen sie eben auch bezahlen“. Ihr Schamgefühl hält sich in Grenzen, sagt aber, dass es sicher anders wäre wenn sie Kinder hätte, denn dann hätte sie niemals den Gedanken gehegt als Hure zu arbeiten. Sie will in absehbarer Zeit noch nicht aufhören, denn für sie ist ein Zuverdienst von ca.800,-€ im Monat ein nettes und auch hilfreiches Geld.

Beide Frauen sagten uns, dass sie es nicht so empfinden, dass der Fick im Vordergrund steht warum die Männer kommen, sondern vor allem, dass sie sich Aufmerksamkeit, Ego Aufbesserung, und dann natürlich Sex kaufen. Dies waren nur zwei Beispiele für diesen Beitrag, aber am Ende kann man sagen, dass sicher kein Pretty Woman Klischee bedient wird, aber es auch nicht so schlimm ist, dass diese Frauen – die sich bewusst für diesen Job entscheiden – nicht als drogenabhängige, und ausgebeutete Frauen dastehen. Es gibt im ältesten Gewerbe immer Ausbeutung, Zwangsprostitution, und Mädchenhandel, und diese Dinge gehören auf jeden Fall mit allen Mitteln bekämpft, aber Frauen die sich gezielt dafür entscheiden als Hure zu arbeiten, ob als Nebenverdienst oder als Haupteinnahmequelle, sollte man mit dem gleichen Respekt behandeln wie die Kassiererin an der Supermarkt Kasse, oder die Krankenschwester in einem Spital.

Wir wollen euch noch die Links zu den oben genannten Organisationen in Berlin und Wien nicht vorenthalten. Schaut mal rein, da geben sich  Menschen viel Mühe, und das gehört lobend erwähnt.

Hydra Berlin

SOPHIE – Wien

Bis dahin alles Liebe

Eure C. und P.

Ein Kommentar zu „Nebenjob – Hure

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